[Blog] Herzlich Willkommen!

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Herzlich willkommen auf Pawstorms!

Pawstorms | Der Blog der guten Geschichten

Nun habt ihr also diesen bescheidenen, kleinen Blog gefunden. Vielleicht habt Ihr auf einen Link geklickt, vielleicht ist er in Euren Suchergebnissen aufgetaucht, vielleicht seid Ihr auch nur aus Versehen hier gelandet, habt Euch vielleicht sogar verklickt. Fakt ist: Nun seid Ihr hier. Doch was ist dieses «Hier» eigentlich? Wo seid Ihr da gelandet? Pawstorms steht darüber, das ist kaum zu übersehen, und eine Pfote ziert das Favicon Eures Browsers. Aber was soll das alles überhaupt bedeuten? Und was wird Euch hier in Zukunft erwarten?

Fangen wir von vorne an.

Paw… – was?

Zwei junge Kater sitzen elegant nebeneinander und blicken in die Kamera.
Mephisto und Luzifer

Pawstorms, oder auch Paw und Storms, das sind wir, die beiden Gründer*innen des Blogs. Wir lieben Katzen, besonders unsere beiden Teufelskater Mephisto und Luzifer. Was noch? Natürlich Geschichten. Geschichten aller Art, und zwar in den unterschiedlichsten Erzählformaten, dort sind wird zuhause. Ob Bücher, Hörbücher, Filme, Serien, Spiele, irgendwas dazwischen oder alles auf einmal, das ist unser Terrain. Geschichten erfinden, erzählen und erleben – um diese Stichworte dreht sich Pawstorms. Seid gespannt!

Geschichten

If there’s a book that you want to read, but it hasn’t been written yet, then you must write it.

Toni Morrison

Ich habe es bereits erwähnt, oder? Wir lieben Geschichten. Und ganz nach Toni Morrisons Motto schreiben wir sie auch gerne selbst. An dieser Stelle geht unser Dank an die wunderbare Community von Belletristica, die es schon tausend Mal geschafft hat, uns zu inspirieren. Ganz in diesem Sinne findet Ihr unter der Kategorie Geschichten unsere eigenen Erzählungen, Gedichte, Fiktionen. Unsere Lieblingsgenres sind Fantasy und Science-Fiction, Krimis und Thriller, aber in unseren Texten probieren wir gerne die unterschiedlichsten Themen und Schreibstile aus.

Gedanken

Als wäre das Fiktionale nicht schon genug, widmen wir uns in der Kategorie Gedanken auch noch der Realität. Dieser Themenbereich ähnelt am meisten dem klassischen Format eines Weblogs und versammelt alles, was uns gerade so beschäftigt. Die Artikel können sich auf die Kreativ- beziehungsweise die Buchbranche beziehen, müssen es aber nicht unbedingt. Auch gesellschaftskritische Gedanken und Kommentare zu aktuellen Geschehnissen und Erlebnissen könnt Ihr hier mitverfolgen. Und selbstverständlich seid ihr auch herzlich dazu eingeladen, eure eigene Meinung in den Kommentaren zu hinterlassen!

Rezensionen

Puh, da haben wir uns ja schon ganz schön viel vorgenommen. Aber halt! Das Wichtigste, das Essentielle eines richtigen Buchblogs fehlt doch noch: die Rezensionen! Diese Kategorie spricht eigentlich für sich. Hier findet Ihr unsere Meinungen und Bewertungen zu Büchern, Filmen, Serien, Spielen… einfach allem, was uns so unterkommt. Denn wir lieben es, stundenlang über Geschichten zu debattieren, die wir gelesen, gehört, gesehen oder gespielt haben. Noch mehr Spaß macht es, unsere Ideen mit Euch zu teilen. Aus diesem Grund seid Ihr auch hier – wie eigentlich überall – herzlich zum Mitdiskutieren eingeladen.

Pawstorms

Jetzt wisst Ihr eigentlich schon alles Wesentliche über uns. Zwei Nerds, die es sich in den Kopf gesetzt haben, ihre Texte und Gedanken unter einem eigenen Namen mit der Welt zu teilen. Das Blogprojekt Pawstorms ist aus dieser Idee heraus entstanden. Es handelt sich um ein Experiment, das in erster Linie eine Herzensangelegenheit ist. Deswegen werden Werte und Ideale bei uns großgeschrieben. Das bedeutet konkret, dass hier wirklich nur jenes veröffentlicht wird, hinter dem wir auch zu 100 Prozent stehen. Dabei ist es uns oberste Priorität, alle Menschen gleichermaßen anzusprechen und einzuschließen, verstehen uns als Teil und Ally der queeren Community und legen außerdem großen Wert auf Accessibility und Inklusion. Wir fordern Euch, liebe Lesende, explizit dazu auf, uns auf Fehler und Ungenauigkeiten hinzuweisen, die in irgendeiner Weise diskriminierend wirken, dies ist niemals unsere Absicht. Auch geben wir uns Mühe, unsere Texte mit Contentwarnungen [CW] zu versehen – auch hier lassen wir uns gerne belehren.

In diesem Sinne wünschen wir Euch viel Spaß und gute Unterhaltung auf Pawstorms und verabschieden uns mit den herzlichsten Grüßen – passt auf Euch auf!


Neueste Beiträge

[Rezension] “Die Krone der Schöpfung” von Lola Randl

Titel:Die Krone der Schöpfung
Autorin:Lola Randl
Veröffentlichung:2. September 2020
Verlag:Matthes & Seitz Berlin

Klappentext | Die Krone der Schöpfung

Hier, im abgeschiedenen Dorf in der Uckermark, glaubte Lola Randl einst, den Neurosen der Städter zu entkommen. Doch als sich ein neuartiger Virus mit kronenartigen Zacken über den gesamten Erdball ausbreitet, stellt sich die Frage, wie abgeschieden man her draußen wirklich ist. Von Fieber und Husten heimgesucht, entwickelt sie neuerdings dieses seltsame Verlangen nach Fleisch…

Zugleich wahr und frei erfunden

«Wenn Sie das hier lesen, wird das Gröbste schon vorbei sein. Vielleicht wird es aber auch erst noch kommen.» (S. 5) Mit diesen Worten beginnt Lola Randl ihren humorvollen Roman Die Krone der Schöpfung. Als ich diese einleitenden Sätze zum ersten Mal gelesen habe, Anfang Dezember des verrückten Jahres 2020, da bahnte sich das – zumindest bisher – Gröbste gerade so richtig an. Denn wie die Anspielung im aktuellsten Kontext vermuten lässt, handelt Die Krone der Schöpfung von der Covid-19-Pandemie im Frühjahr und Sommer 2020.

Die namenlose Protagonistin, der man jedoch nicht zuletzt unter Berücksichtigung des Klappentextes den ein oder anderen autobiographischen Zug unterstellen darf, lebt mit ihrer Mutter, ihrem Ehemann und ihren beiden Kindern in einem abgelegenen Dorf in Brandenburg. Die Bewohner dort befinden sich im Frühjahr lange in einer Blase, in die zwar beängstigende Nachrichten aus der «Zivilisation» dringen, die aber zugleich keinerlei Berührungspunkte mit dem berüchtigten Virus hat, was jenes lediglich zu einer nicht greifbaren, vagen und vor allem düsteren Bedrohung stilisiert – mehr Schein als Sein. Doch das ruhige Landleben wird zunehmend in Aufruhr gebracht, als sich immer mehr Stadtflüchtige in das Dorf der Erzählerin verirren und schließlich gar der offizielle Lockdown angeordnet wird.

Dieser durchaus realistische und authentische Kontext stellt dabei lediglich den erzählerischen Rahmen für jenen hochaktuellen Roman dar. Denn bei Die Krone der Schöpfung handelt es sich keinesfalls um eine Art akkuraten Erlebnisbericht der Corona-Pandemie. Viel mehr gelingt es Lola Randl in ihrem Roman, ihre eigenen, persönlichen und subjektiven Eindrücke der Ausnahmesituation in bildgewaltige Worte zu fassen. Wie sie bereits im Prolog ankündigt, ist die Handlung der Krone der Schöpfung «von ihr, also der Erzählerin, gehört, gelesen, erlebt oder ausgedacht worden» (S. 5). Des Weiteren verzichtet sie laut eigener Aussage auch bei den primär informativen Passagen des Textes auf «stichfeste Quellenangaben», da «aufgrund der Komplexität der Lage eine streng wissenschaftliche Herangehensweise nicht angemessen erscheint» (S. 5).

Schon in diesem lediglich eine Seite umfassenden, aber entgegen seiner Kürze umso gewitzteren Prolog zeigt sich die Metapoetizität des gesamten Werkes. Denn natürlich erwarten wir als Lesende eines mit «Roman» benannten Buches keine akademische Abhandlung und die in der Wissenschaft üblichen Quellenverweise würden unseren Lesefluss eher massiv stören. Genauso wenig erwarten wir einen faktualen Tatsachenbericht, wenn das Wörtchen «Roman» auf dem Buchcover steht. In dem provokanten Kommentar zu den Hintergründen des Textes beschreibt die Autorin vielmehr mit einem Augenzwinkern, wie literarisches, kreatives Schreiben ganz allgemein funktioniert: «So musste sich erst alles im Kopf der Erzählerin zu einem großen Ganzen vermischen, bevor sie dann, mit viel Feingefühl und ganz auf sich allein gestellt, ein klares Bild zu der Lage spann.» (S. 5)

So erleben wir in Die Krone der Schöpfung also in erster Linie den Alltag der Erzählerin während des ersten Lockdowns. Als wären die grotesken Erlebnisse der Erzählerin zwischen «dem Mann» und «dem Liebhaber», «den Kindern» und «den Nachbarn» in jenem brandenburgischen Dorf, so voller Ungewissheit ob einer möglichen Infektion mit dem gefährlichen Virus, für sich nicht schon unterhaltsam genug, so werden die kurzen Kapitel regelmäßig von Passagen zur jeweils aktuellen gesellschaftlichen und politischen Lage unterbrochen. Dabei handelt es sich sowohl um interessante Fakten rund um das Coronavirus als auch um satirische Kommentare zur gesellschaftspolitischen Situation.

Außerdem ist die Erzählerin – ebenso wie ihre Verfasserin – von Beruf Drehbuchautorin. So hat sie es sich in den Kopf gesetzt, eine Zombieserie zu schreiben, denn damit ließe sich jetzt, wo alle wegen des Lockdowns sowieso nur vor ihren Bildschirmen sitzen, sicherlich viel Geld machen. Unter der Titelreihe «Honka, Bar des Vergessens» wohnen wir also hautnah der Entstehung jener Trashserie bei, die es geradezu meisterhaft schafft, sämtliche Klischees des Zombiefilms wahllos zusammengewürfelt in einer Handlung zu komprimieren, die bescheuerter kaum sein könnte. Neben der offensichtlichen Kritik an den jüngsten Tendenzen der Unterhaltungsbranche karikiert «Honka, Bar des Vergessens» auf völlig überzogene Weise die Geschehnisse während einer Viruspandemie und das groteske Verhalten der Menschen, die im Angesicht der unsichtbaren Bedrohung jeden Verstand hinter sich zu lassen scheinen.

Von Viren, Zombies und dem ganz alltäglichen Wahnsinn

Cover-Vorderseite von Lola Randl: Die Krone der Schöpfung
Lola Randl: Die Krone der Schöpfung (Vorderseite)

Die Krone der Schöpfung ist ein ungewöhnliches Buch. Der Stil, so eigenwillig er sein mag, fließt wie ein malerischer Fluss über die Seiten, erfasst in seinen wahllosen Biegungen und Stromschnellen gleichermaßen Fakt und Fiktion, Subjektivität und Beschreibung, Wunsch und Furcht, Alltag und Absurdität, und vereint all diese Elemente schließlich zu einem reißenden Strom, dem sich nichts und niemand zu entziehen vermag.

Keine der Figuren in Die Krone der Schöpfung hat einen Namen. Stattdessen werden sie alle mit ihrer Funktion bezeichnet. Bei der Erzählerin, dem Mann, dem Liebhaber, der Talkmasterin, und dem Redakteur etwa handelt es sich um genauso einzigartige wie austauschbare Charaktere. Die fehlenden Namen machen sie einerseits zu anonymen Silhouetten, in denen wir uns als Lesende selbst wiederfinden, und andererseits zu Stereotypen, von denen wir uns mit jeder Faser abgrenzen wollen, da sie unsere voyeuristisch-lästerische Ader ansprechen. Im Angesicht des Präsidenten oder des Mega-Virologen dagegen ist uns trotz der fehlenden Namen sofort klar, welche real existierenden Personen wir uns hier vorstellen dürfen. In ihrer unverkennbaren Art, als würde sie gerade über die belanglosesten Dinge plaudern, schafft Lola Randl in Die Krone der Schöpfung so eine strukturelle Kontinuität, die all die unterschiedlichen Passagen und Inhalte, all die Authentizität und die Absurdität zu einem großen Ganzen verschmelzen lässt.

Cover-Rückseite von Lola Randl: Die Krone der Schöpfung
Lola Randl: Die Krone der Schöpfung (Rückseite)

Wenn man auch nur halbwegs angemessen über Die Krone der Schöpfung sprechen möchte, kommt man außerdem nicht umhin, ein paar Worte zu diesem wundervoll komponierten Titel zu verlieren. «Die Krone der Schöpfung» – ist damit der Mensch gemeint? Das liebevoll gestaltete Cover, das im Vordergrund zwei nackte Menschen in inniger Umarmung an einem malerischen Ufer neben einer Schlange zeigt, erinnert zweifelsfrei an jene biblische Schöpfungsgeschichte. Andererseits korrumpiert das Bild diese Interpretation in sich, denn nicht nur sind die beiden Figuren offensichtlich gerade im «sündigen Akt» begriffen, sondern auch ist «Evas» einzige Bekleidung ein Köcher voller Pfeile, von denen einer in «Adams» Rücken steckt. Im Hintergrund lauern unterdessen Zombies in einem See, noch weiter hinten verdecken die Rauchschwaden eines brennenden Wohnhauses den Mond. Wie eine Fortsetzung der dargestellten Situation wirkt dazu die Rückseite, die an der Uferstelle nurmehr einen großen Blutfleck zeigt, während die weibliche Figur inmitten zahlreicher Zombies zu baden scheint.

Eine nicht weniger plausible Interpretation ist natürlich «Corona», das lateinische Wort für «Krone». Ist also jenes Virus die «Krone der Schöpfung» und droht, uns alle zu unterjochen? Die Fledermaus, die prominent in den Vordergrund des Bildes baumelt, unterstreicht jene poetische Doppelbedeutung des Titels mit Blick auf das Virus mit den kronenartigen Zacken.

Ähnlich konfus, wie schon Titel und Cover auf uns wirken, stellt sich schließlich der gesamte Roman heraus. Manch eine*r mag sich in diesem Sammelsurium aus wissenschaftlichen Fakten, metapoetischen Anspielungen, unnützem Wissen und mehr oder weniger verhüllter Gesellschaftssatire verlieren. Und doch ist es jene Absurdität, die all die Unsicherheit und Verwirrung, das Furchterregende dieser neuen Bedrohung und den Alltag, der auch während der Pandemie und des Lockdowns ja doch irgendwie weitergehen musste, so hervorragend widerspiegelt.

Für Lola Randls Die Krone der Schöpfung kann ich nur eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen. Ich habe die Lektüre dieses ungewöhnlichen und unerwarteten Romans auf allen Ebenen genossen.

Wer sich selbst ein Bild dieses wunderbaren Romans machen möchte, sei herzlich dazu eingeladen, einen Blick in die Leseprobe zu werfen!

Kurz & Bündig

PositivNegativ
SchreibstilLocker & flüssig ★
SpannungSpannungsverhältnis zwischen Realismus, Satire und Groteske ★
CharaktereStereotypisch & humorvoll überzogen ★
SettingPlakativ, aber authentisch ★
HandlungRealistisch, parodistisch, konfus ★

Bewertung: ★ ★ ★ ★ ★

Mein Rezensionsexemplar von Lola Randls Die Krone der Schöpfung habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks erhalten. Ich bedanke mich herzlichst sowohl für die spannende Leserunde als auch für die unterhaltsame Lektüre!


Weitere Rezensionen zu Die Krone der Schöpfung:


Neueste Beiträge

[Aktion] Top Ten Thursday | Weihnachtsspecial

Logo: Top Ten Thursday

Beim Top Ten Thursday von Aleshanee (Weltenwanderer) geht es darum, jeden Donnerstag eine Liste aus zehn Titeln zu einem bestimmten, vorgegebenen Thema zusammenzustellen.

Passend zum Datum steht heute natürlich ein …

Weihnachtsspecial

… auf dem Plan. Das bedeutet, es gibt zehn einzelne Aufgaben für die zehn vorgestellten Bücher – rund um die Themen Weihnachten und Winter.

Meine heutige Auswahl ist eine bunte Mischung aus Titeln, die im mehr oder weniger engen Sinne mit Weihnachten zu tun haben, und einigen (Fantasy-)Klassikern. Ihr dürft wieder einmal gespannt sein!

Top Ten

1) Ein Cover so weiß wie Schnee

"The Guest List" von Lucy Foley

Es ist nicht lange her, dass ich zuletzt ein Buch mit einem Cover so weiß wie Schnee gelesen habe. The Guest List von Lucy Foley ist ein fesselnder Thriller, angesiedelt auf einer verlassenen irischen Insel im Atlantik. Dem Roman, der außerdem diesjähriger Gewinner des Goodreads Choice Award in der Kategorie «Best Mystery & Thriller» ist, gelingt es, in einem extrem kleinschrittigen Erzählstil – die Handlung erstreckt sich lediglich über zwei Tage – eine derartige Spannung aufzubauen, dass ich mich beim Lesen mehrmals dabei ertappt habe, die Luft anzuhalten.

Hier geht’s zu unserer Rezension zu Lucy Foleys The Guest List.

2) Ein Titel, den du mit Weihnachten verbindest

"Weihnachtsgeschichten" von Charles Dickens

Welchen Titel würde man wohl mehr mit Weihnachten verbinden, als Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichten. Der Band enthält drei der fünf bekannten Weihnachtsgeschichten des englischen Romanciers. Wenngleich der Titel trügerisch erscheinen mag, ist seine erste und zweifelsfrei bekannteste, «A Christmas Carol» im Deutschen in der Regel mit «Eine Weihnachtsgeschichte» übersetzt, nicht dabei. Stattdessen finden wir in diesem Sammelband «Der Behexte und der Pakt mit dem Geiste», «Die Silvesterglocken» und «Auf der Walstatt des Lebens», die sich in keinerlei Hinsicht vor der erstgenannten verstecken zu brauchen.

Die gemeinfreien Erzählungen könnt ihr übrigens auf der Seite des deutschen Projekts Gutenberg völlig kostenlos und legal lesen.

3) Eine Geschichte mit Charakteren, die zueinander halten

"What Dreams May Come" von Richard Matheson

Ein Mann, der im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hölle geht, um seine geliebte Frau vor einer Ewigkeit in der Verdammnis zu retten: Ja, Chris Nielsen hält wahrlich zu seiner Ehefrau Ann, die aus Trauer und Verzweiflung über seinen Tod Suizid beging. What Dreams May Come (Hinter dem Horizont) sticht mit seiner ernsthaften Thematisierung des Jenseits aus den anderen Werken des primär für seine Horrorromane bekannten amerikanischen Autors Richard Matheson heraus. Der Roman, der Motive aus unterschiedlichen Konzeptionen des Jenseits miteinander verknüpft, wurde zwar mit zahlreichen inhaltlichen Änderungen, aber nichtsdestotrotz sehr erfolgreich mit Robin Williams in der Hauptrolle verfilmt. Buch und Film sind gleichermaßen lesens- wie sehenswert.

4) Eine Handlung, die im kalten Norden stattfindet

"Der Goldene Kompass" von Philip Pullman

Zugegeben, Der Goldene Kompass, der Auftakt von Philip Pullmans phantastischer Jugendbuchreihe His Dark Materials, spielt in einer phantastischen Parallelwelt zur Unseren und auch dort nur teilweise im kalten Norden. Die Reise der jungen Protagonistin Lyra und ihres Dæmons Pantalaimon in die Arktis, um die von der General-Oblations-Behörde entführten Kinder zu retten, einen wesentlichen Teil der komplexen Erzählung dar. Passend zum Thema lautet zudem der englische Originaltitel des Fantasy-Reihenauftakts Northern Lights, also «Nordlichter».

5) Ein Buch, das du geschenkt bekommen hast

"Drei Männer im Schnee" von Erich Kästner

Die mehrfach verfilmte Novelle Drei Männer im Schnee von Erich Kästner habe ich tatsächlich erst kürzlich von einer ganz lieben Freundin geschenkt bekommen – und zwar schlichtweg, weil ich es noch nicht kenne! Passend zur Jahreszeit steht die komödiantische Erzählung nun ganz oben auf meiner Leseliste und wird in den nächsten Tagen in Angriff genommen. Ich freue mich schon drauf!

6) Eine Geschichte, die in der Weihnachtszeit spielt

"Der Heilige Bimbam. Ein Weihnachtskrimi" von Hermann Mensing

Der heilige Bimbam von Herrmann Mensing sticht als Jugendbuch, das sich eher an eine jüngere Leserschaft richtet, aus dieser Liste hervor. Es handelt sich um einen wunderbar unterhaltsamen, kindergerechten Weihnachtskrimi rund um die chaotischen Weihnachtsvorbereitungen der Familie Pepper. Denn die beiden Kinder haben ausgerechnet einen Hund als Weihnachtsgeschenk für ihre Eltern ausgesucht! Und der hört natürlich, passend zum Anlass, auf den Namen «Bimbam»…

7) Eine Geschichte mit einem Kind (Kindern) als Helden

"Narnia: The Lion, the Witch, and the Wardrobe" von C. S. Lewis

Welcher Fantasyklassiker hat nicht nur eines, sondern gleich vier Kinder als Helden? Natürlich Narnia: The Lion, the Witch, and the Wardrobe (Der König von Narnia) von C. S. Lewis! Die Jugenderzählung um die Pevensie-Kinder Lucy, Susan, Edmund und Peter ist der ursprünglich erste Band der Narnia-Reihe und wurde von Disney mit Liam Neeson als Stimme des göttlichen Löwen Aslan erfolgreich verfilmt. Für einen Fantasyroman umfasst der Titel zwar erstaunlich wenige Seiten, die dafür umso dichter mit dem spannenden Abenteuer rund um den Kampf der vier zukünftigen König*innen Narnias gegen die Weiße Hexe Jadis und ihre skrupellose Armee.

8) Ein Buch, das in mind. 10 Sprachen übersetzt wurde

"The Hobbit" von J. R. R. Tolkien, mit Illustrationen von Alan Lee

Auch hier muss ich auf einen weiteren Klassiker zurückgreifen, den ich einfach liebe. The Hobbit, or There and Back Again (Der kleine Hobbit) ist der erste Roman aus der Feder J. R. R. Tolkiens. Ursprünglich noch während seiner Zeit als Juniorprofessor als Erzählung für seine eigenen Kinder verfasst, sollte The Hobbit der Auftakt seines immens erfolgreichen Fantasy-Epos und in mehr als 60 Sprachen übersetzt werden. Von der mehrteiligen, aber kaum werkgetreuen Verfilmung dieses wunderbaren Büchleins halte ich persönlich nicht besonders viel, aber in den liebevollen Illustrationen Alan Lees kann ich mich dafür umso mehr verlieren.

9) Eine Geschichte mit Figuren aus der Mythologie

"Percy Jackson: The Lightning Thief" von Rick Riordan

Als hätte diese Liste nicht schon genug geballte Fantasy-Epos-Power, wandern meine Gedanken beim Thema Mythologie als allererstes zu Rick Riordans grandioser Jugendbuchreihe Percy Jackson & the Olympians. Wie alle fünf Bände greift der Reihenauftakt The Lightning Thief (Diebe im Olymp) nicht nur inhaltlich auf die griechische Mythologie, deren Götter heute in den USA über dem Empire State Building residieren, und sämtliche damit in Zusammenhang stehenden Motive zurück, sondern ist auch aufgebaut wie ein klassischer Heldenepos. Daneben greift die spannende Erzählung der Abenteuer des Halbgottes Percy auch auf gesellschaftskritische Themen zurück, wie Inklusion, Diversität und Naturschutz. In meinen Augen ist Percy Jackson zweifelsfrei eine der besten Fantasyreihen, die je geschrieben wurden.

10) Eine Handlung mit märchenhafter Atmosphäre

"Die Legende vom vierten König" vonn Edzard Schaper, mit Illustrationen von Celestino Piatti

Edzard Schapers Legende vom vierten König kann beinahe schon als Märchen gelesen werden. Die Erzählung von dem kleinen König, der sich aufmacht, um das Christuskind zu sehen und zu beschenken, von seinem Weg jedoch immer wieder abkommt, handelt von Nächstenliebe, von Hingebung und von der Suche nach Gott. Es ist zwar eine durchweg christliche Erzählung, doch man muss kein gläubiger Christ sein, um ihre weihnachtliche Botschaft zu begreifen. Das Büchlein ist schnell gelesen und hinterlässt ein wohliges Gefühl im Bauch – genau die richtige Lektüre für die Feiertage.

Ich bedanke mich wie immer für die tolle Inspiration!

PS: Alle unsere Beiträge zum Top Ten Thursday findet Ihr hier.


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[Rezension] “Zum Teufel mit Kafka” von Maria Zaffarana

Titel:Zum Teufel mit Kafka
Autorin:Maria Zaffarana
Veröffentlichung:September 2020
Verlag:Telegonos

Klappentext | Zum Teufel mit Kafka

Leopold ist ein schwer gebeutelter Mann. Er hat eine Schwiegermutter, die er hasst und mit der er mehr Zeit verbringen muss, als ihm lieb ist. Warum? Seine Frau will es eben so. Die hat nämlich einen ausgeprägten Mama-Komplex. Das wäre an sich schon schlimm genug, wenn da nicht auch noch der Rest seiner sonderbaren Familie wäre: Seine pubertierenden Zwillinge, der schwerhörige Vater, die verträumte Mutter, die gefräßige Tante und der transsexuelle Bruder halten ihn ganz schön auf Trab. Zum Glück gibt es da noch Gregor, Leopolds einzigen Freund. Der wohnt einsam in einem verlassenen Haus mit Madame Lunette zusammen, einem äußerst einsilbigen Papagei. Doch auch Gregor hat mehr Macken als ein 20 Jahre altes Auto.

Zum Teufel mit der Schwiegerhexe

Zugegeben, ich hatte befürchtet, der Roman Zum Teufel mit Kafka aus der Feder Maria Zaffaranas endet genauso wie er beginnt: mit klirrenden, schrecklich blumigen, auf Hochglanz polierten Tassen. Aber nein, diese Befürchtung sollte sich als völlig unbegründet erweisen. Das Ende dieses schamlos überzogenen Büchleins gefällt mir sogar außerordentlich gut, denn, obwohl es die Handlung als fragmentarischer Cut an offener Stelle unterbricht, hinterlässt es in gewisser Weise doch ein rundes, abgeschlossenes Lesegefühl.

Anstatt den Gaul von hinten aufzuzäumen, sollten wir jedoch, auch wenn wir darüber sprechen, dort beginnen, wo ein jede*r Lesende*r ansetzt: Am Anfang. Ausgenommen sind hier natürlich jene, die ihre Lektüre, unbedacht etwaiger Spannungsbögen und offenbar gegen jegliche Spoilergefahr gefeit, stets auf der letzten Seite eines Romans beginnen. Bitte fühlt euch an dieser Stelle einfach mitgedacht und mitgemeint.

Zurück also zu den Tassen. Von diesen scheint Irene in Zum Teufel mit Kafka besessen, denn schließlich hat sie die Schmuckstücke von ihrer herzallerliebsten Mutter vermacht bekommen. Dass die gute alte Uschi die hässlichen Dinger aller Wahrscheinlichkeit nach ihrerseits nur elegant entsorgen wollte, möchte deren gutgläubige Tochter allerdings nicht einsehen. Irene, das ist übrigens die Ehefrau des Protagonisten Leo. Ja genau, der Leo, jenes schwer gebeutelte Mannsbild, das uns schon im Klappentext versprochen wird. Dieser führt uns nämlich auf gedanklich-assoziative Weise als autodiegetischer Erzähler – ein klassischer Ich-Erzähler, wenn man so will – durch den Roman, weshalb wir zur Genüge erfahren, was der gute Leo mag und was der gute Leo nicht mag, was dafür seine teuflische Schwiegermutter mag, denn diese beiden Bereiche stehen sich grundsätzlich komplementär gegenüber, und zu was sich der arme Leo alles opfern muss, um den «Familienfrieden» zu wahren.

Ja, das Leben des Familienvaters, Ehemanns, Schwiegersohns und Promi-Redakteurs Leopold ist alles andere als leicht. Wäre da nur nicht sein eigenbrötlerischer alter Studienfreund Gregor, dem er jeden einzelnen Tag einen Besuch abstattet. Gregor ist so ziemlich genau das, was man sich unter einer kafkaesken Figur vorstellt. Ein schweigsamer, introvertierter, sozialphobischer, möglicherweise asexueller selbsternannter Schriftsteller, der jedoch noch nie ein Werk fertigzustellen vermochte, ebenso wenig freiwillig mit Leuten in Kontakt tritt und außerdem von der finanziellen Unterstützung seines strengen Vaters abhängig ist. Von dem er sich übrigens bevormundet, kontrolliert und vor allem unter Druck gesetzt fühlt – allem Anschein nach zurecht. Jedenfalls scheint die beiden ein extrem konfliktträchtiges Verhältnis zu verbinden. Na, klingelt’s?

Schrill, schräg und doch – authentisch?

Zum Teufel mit Kafka entführt uns in den Alltag einer kleinbürgerlichen Familie irgendwo in einer deutschen Großstadt. Nicht in Bayern, so viel ist klar, denn aus Bayern kommt hier nur Uschis dümmliche wirkender fünfter Ehemann Gustl, der die Berge über alles liebt und allem – und damit meine ich wirklich allem – anderen offenbar völlig teilnahmslos gegenüber steht.

Der Roman verfolgt weder einen klaren Handlungs- noch einen Spannungsbogen und lässt uns stattdessen jenen Alltagswahnsinn in der Familie Leopolds miterleben. Im Grunde hangelt er sich von einer pointierten, aber ungeliebten Familienzusammenkunft zur nächsten und wird dabei immer wieder von den assoziativen Reflexionen des Erzählers über die anderen anwesenden Personen und vergangene gemeinsame Erlebnisse unterbrochen. Die Komik entsteht aus der satirischen Überzeichnung von Situationen, bei denen sich vermutlich ein jede*r früher oder später eingestehen muss, die eigene Familie in gewisser Weise wiederzuerkennen.

Die Figuren in Zum Teufel mit Kafka – allen voran Leo, daneben seine Frau Irene, seine pubertierenden Zwillingskinder, die garstige Schwiegermutter Uschi samt Mann und gefräßiger, aber herzallerliebster Schwester, seine eigenen Eltern und natürlich seine Schwester Alicia, die zwar permanent erwähnt wird, aber leider nur sehr spärlich selbst die Bühne betritt – nehmen allesamt statisch-stereotypische Rollen ein, die zwar in sich selbst völlig skurril repräsentiert werden, aber in ihrer Dynamik als Familie eine Authentizität ausstrahlen, die doch geradezu aus dem Leben gegriffen zu sein scheint. Nicht zu vergessen natürlich Gregor, der eigentlich so gar nichts mit Leos Familie am Hut hat, was dabei wiederum wenig verwunderlich ist, da er neben seinem Papagei Madame Lunette mit absolut nichts etwas am Hut hat.

Was mir während der Lektüre von Zum Teufel mit Kafka jedoch bei all dieser parodistisch-schrägen Liebenswürdigkeit in zunehmendem Maße bitter aufstieß war die Figur Alicias, der Schwester Leopolds. Genau genommen finde ich ihre Figur sogar ganz hervorragend und hätte mir eine größere Rolle für die erfolgreiche und von dem ganzen Kindergarten offenbar völlig unbeeindruckten Ärztin inmitten dieser chaotischen Familienzusammenkünfte gewünscht. Dass sie es allerdings weiß, sich aus dem Familienwahsinn rauszuhalten, kann ihr aber vermutlich niemand verübeln. Nein, was mich mit jedem Kapitel mehr störte, war das kontinuierliche Misgendering dieser Trans-Frau. Denn Alicia war einst Leopolds Bruder, hatte ihr Coming-out aber bereits als Jugendliche.

Natürlich muss ich dem Text die gewisse Komik eingestehen, die aus einer gewohnheitsmäßigen Verwirrung der Artikel und Personalpronomen herrühren kann. So kommentiert etwa der Protagonist mit einem leicht resignierten Unterton das Verhalten ihrer beider – durchaus liebevollen und liebenswerten – Mutter, die sich darüber echauffiert, dass Alicia immer ihr Sohn bleibe und sie deshalb der Meinung sei, von «dem Alicia» zu sprechen sei ein guter Kompromiss für alle. Leo selbst spricht zu Beginn im Wechsel von «ihm» und «ihr», ja scheinbar völlig wahllos von «seinem Bruder» und «seiner Schwester» – auch hier bin ich noch gewillt, eine gewisse humoristische Note in dieser bisweilen erzwungenen Alltagskomik erkennen zu wollen. Allerdings wandelt sich die zur Schau gestellte Identitätsverwirrung ziemlich schnell in ein kontinuierliches Misgendering, das im konsequenten «mein Bruder Alicia» für den gesamten Rest des Romans jegliche Spur eines Witzes missen lässt und sich stattdessen für ein rundum cissexistisches Framing dieser so wunderbar angelegten Figur entscheidet.

Eine kafkaeske Hommage

Zum Teufel mit Kafka kann guten Gewissens als das gelesen werden, was es zu sein verspricht: eine humoristische Hommage an einen großen Schriftsteller. Die Rolle des eigensinnigen Gregors schreit den Lesenden nur so ins Gesicht: «Ich bin eine Kafka-Figur!» – und das liegt nicht nur an der Namensvetterschaft mit Kafkas bekanntestem literarischen Charakter. Humoristisch-überzogen, das steht außer Frage, verkörpert Gregor das, was man sich von dem in sich gekehrten, mit sich selbst hadernden Franz Kafka vorstellt.

E-Book "Zum Teufel mit Kafka" von Maria Zaffarana, daneben eine Tasse mit der stark verblichenen Aufschrift "Franz Kafka Praha"

Doch die impliziten Kafka-Referenzen gehen über die wenigen Passagen hinaus, in denen Leopold seinen egozentrischen Freund besucht. Da wäre etwa der berühmte Vaterkomplex, aus dem in der Figur Irenes auch ein Mutterkomplex wird, die Gesellschaftskritik in Form der grotesken Familienzusammenkünfte, innerhalb derer alle hemmungslos zu ihrem tatsächlichen Charakter aufzublühen scheinen, die kontinuierlich auf die Probe gestellten, aber niemals hinterfragten Machtbeziehungen zwischen den einzelnen Familienmitgliedern und nicht zuletzt der Protagonist selbst, der sich permanent mit seinem Umfeld vergleichen muss und dementsprechend die täglichen Auszeiten im unmittelbaren Gegenüber Gregors zu brauchen scheint, um sich selbst seine eigene, gefestigte Position als kleinbürgerlicher Familienvater bewusst zu machen.

Maria Zaffarana präsentiert ihren Lesenden in Zum Teufel mit Kafka auf geschickte Art und Weise deren eigene, groteske Lebensrealität. Dies gelingt ihr, ohne dabei jenen bedrückenden Schwermut zu provozieren, der sich vergleichbarer Texte nicht selten bemächtigt. Nein, Zum Teufel mit Kafka hangelt sich von einer humoristischen Pointe zur nächsten, sorgt für eine durchweg erheiternde Leseatmosphäre – und hält uns ganz nebenbei ebenjenen unbarmherzigen Spiegel vor Augen, in dem wir uns an dem Alltagswahnsinn einer Familie ergötzen, die noch chaotischer scheint als die eigene.

Kurz & Bündig

PositivNegativ
SchreibstilFlüssig & verspielt ★
SpannungTritt hinter dem Humor zurück ★
CharaktereGrotesk-überzogen ★Cissexistisches Framing queerer Figuren ☆
SettingAlltagswahnsinn
in a nutshell
HandlungFragmentarisch ★Kein klarer Handlungsbogen ☆

Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆

Ich bedanke mich herzlich bei der Autorin Maria Zaffarana für die freundliche Zusendung des Rezensionsexemplars.


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[Rezension] “Creszentia” von Alexander Lorenz Golling

Titel:Creszentia: 11 Schauergeschichten
Autor:Alexander Lorenz Golling
Veröffentlichung:Mai 2020
Verlag:TWENTYSIX (Selfpublishing)

Klappentext | Creszentia

In dieser Kurzgeschichtensammlung geht es um Unheimliches und Übernatürliches aus dem Donaumoos und dem Städtedreieck Ingolstadt-Augsburg-Neuburg. Es handelt sich um spannende Gruselgeschichten, die sich stilistisch an Klassikern wie Poe, Blackwood, King oder M.R. James orientieren, aber größtenteils in der Gegenwart spielen und teilweise auf tatsächlich vorhandenen regionalen Legenden basieren.

11 mal Grusel mit einer Prise Heimat

Wir lebten damals in einer kleinen Mansardenwohnung im tristen Augsburger Vorort Lechhausen.

Creszentia, S. 14

Was für einen freudigen Satz mein Herz bei diesem Satz machte, der die erste der elf unter dem Titel Creszentia versammelten Kurzgeschichten einleitet. Ich selbst bin in Augsburg geboren und sogar in einem angrenzenden Stadtteil aufgewachsen, weswegen diese erste Geschichte schon von vornherein mein besonderes Interesse geweckt hat.

Mit 42 Seiten ist «Adele mit den großen Augen» (01) die längste Kurzgeschichte des Bandes. Diese Länge bekommt man zu Beginn auch erst einmal zu spüren. Der Autor nimmt sich sehr viel Zeit für den Charakteraufbau des jungen Protagonisten Tommy und seiner geheimnisvollen Freundin Adele. Dies sowie die seitenweise Beschreibung des kindlichen Alltags ließen mich für einen Augenblick befürchten, dass sich die Erzählung in ihren Längen verlieren würde. Doch dann, relativ mittig, kam dieser eine Satz, der mir das Blut in den Adern gefrieren ließ, der mir zum ersten Mal eine stumme Gänsehaut bescherte. Ab diesem Moment nimmt die Geschichte enorm an Fahrt auf und schafft es, eine beinahe greifbare Spannung zu generieren. Nach einem Einstieg, von dem ich zunächst nicht so recht wusste, was ich davon halten sollte, hat mich diese erste Schauergeschichte letztendlich richtig gepackt.

Die zweite von Alexander Lorenz Gollings Kurzgeschichten spielt im Urdonautal, genauer in einer fiktiven, mittelalterlichen Klosterruine, um die sich dunkle Sagen ranken. Der Protagonist Meiniger ist das Stereotyp eines geschiedenen Mannes mittleren Alters. Motiviert von seinem Interesse für Zeitgeschichte und Archäologie verbringt er ein Wochenende in einem abgelegenen Landhotel, um den Stress des Alltags abzuschütteln. Von seiner Wanderung zu jener mittelalterlichen, inzwischen verfallenen Abtei wird er allerdings nicht mehr zurückkehren… Im Gegensatz zur vorherigen Erzählung ist «Das letzte Fresko» (02) mit nur 15 Seiten kurz und knackig. Obgleich ich ein paar Mal über die exzessive Nutzung des Wörtchens «jetzt» stolperte, gelingt es dem Autor, die Atmosphäre dieser Landschaft und der historischen Ruine auf den wenigen Seiten einzufangen. Einzig die «plötzliche» Ruhe und den Stimmungsumschwung des Protagonisten ganz am Ende konnte ich nicht so recht nachvollziehen. Die Vorhersehbarkeit allerdings sowie die spärlichen Details nahmen der Geschichte einen großen Teil ihres angelegten Gruselpotentials.

Das «Klassentreffen» (03) spielt wieder in Augsburg und besticht durch seine surrealen Elemente. Der Protagonist Marc Leiber erhält eine Einladung für ein Klassentreffen an seiner alten Schule. Doch dort entpuppt sich nichts als das, was es scheint… Die dritte Kurzgeschichte in Creszentia mag auf den ersten Blick einen etwas wirren Eindruck machen, was jedoch in meinen Augen von einem stilistisch geschickten und fließenden Übergang vom Realen ins Übernatürliche zeugt. Im Stil einer Poe’schen Groteske rückt der Protagonist in «Klassentreffen» mit jedem Schritt weiter in ein albtraumhaftes Delirium, das seine tiefsten Ängste wahr werden lässt.

«Lethargie des Nachmittags» (04) hebt sich etwas von den vorherigen Erzählungen ab, da diese Geschichte nicht wirklich als «schaurig» bezeichnet werden kann. Der Protagonist der «Lethargie des Nachmittags» erlebt ein übernatürliches und sicherlich auch furchteinflößendes Phänomen, als ihn auf subtile Weise ein verzweifelter Ruf nach Hilfe erreicht. Trotz des Ekelfaktors einzelner Beschreibungen ließ mich diese vierte Kurzgeschichte mit einem zufriedenen Bauchgefühl zurück. Die Erzählung ist traurig, aber auf eine gewisse, melancholische Weise auch irgendwie schön.

«Irrlicht» (05) ist in meinen Augen das große Highlight von Creszentia. Die Erzählung hat nicht nur den bislang ersten Protagonisten ohne Alkoholproblem und Nikotinsucht, sondern bietet auch die ein oder andere unerwartete Wendung. Alle Vermutungen, die man zu Beginn so anstellen kann, werden im letzten Drittel über den Haufen geworfen, wobei der Kurzgeschichte eine durchaus humorvolle Note verliehen wird. Wie im Vorwort angekündigt, wird dem oberflächlichen und narzistischen Charakter eine gehörige Lektion zuteil, die er sicherlich nie mehr vergessen wird. «Irrlicht» beweist einmal mehr, dass eine richtige Gruselgeschichte keine Leichen oder angsteinflößende Monster braucht, um ihren Lesenden einen Schauer über den Rücken zu schicken.

«Die Wächter von Veruda» (06) ist dagegen eine Reminiszenz an die griechisch-römische Mythologie, eingebettet in ein idyllisches Bild des zeitgenössischen Kroatiens. Auf einer winzigen Insel vor der Küste Istriens erwacht eine alte Legende zum Leben – was der Protagonist am eigenen Leibe erfahren muss. Auch diese Erzählung bietet mit ihrem etwas aus dem Rahmen der restlichen Kurzgeschichten fallenden Setting der Mittelmeerküste ein genüssliches Leseerlebnis, obgleich ich immer wieder darüber schmunzle, wie leicht Männer doch zu manipulieren sind…

«Schneetreiben» (07) versteht es, von Anfang an eine unheimliche Spannung aufzubauen. Wenngleich man im Angesicht der sehr von sich überzeugten Geisterjäger zunächst doch immer wieder schmunzeln muss, so wird diese erheiternde Atmosphäre nach und nach von einer düsteren Ahnung abgelöst. Der Protagonist begibt sich mit einigen durchaus skurril anmutenden «Kollegen» auf die Spuren eines tragischen Unglücks, das sich im 18. Jahrhundert an jenem Ort im Donaumoos ereignete. Dem Protagonisten wird seine erste, richtige Begegnung mit dem Übernatürlichen versprochen. Als die Nacht schließlich voranschreitet, werden so einige seiner Überzeugungen auf die Probe gestellt.

«Blick in den Abgrund» (08) sticht aus den anderen Erzählungen in Creszentia durch einen verhältnismäßig starken Charakteraufbau hervor. Hier stehen zwei Figuren im Mittelpunkt, denen ein neugieriger Blick in die Tiefen eines Abgrunds letztendlich zum Verhängnis wird. Dieser Blick ist dabei sowohl wörtlich als auch metaphorisch zu verstehen. Denn es handelt sich um einen Blick in die tiefsten Abgründe der eigenen Seele. Obgleich ich beim Lesen zunächst über die klischeehafte Assoziierung von Pädophilie und Kinderschänder beziehungsweise -mörder stolperte, entwickelte die Geschichte mit der Zeit eine ungeahnte Tiefe – nicht nur im wörtlichen Sinne.

Die relativ kurze Geschichte «Ab-teilungen» (09) strotzt nur so vor schwarzem Humor und brachte mich unwillkürlich zum Lachen. Die Handlung ist zwar nichts Besonderes, denn es geht um eine leider allzu gewöhnliche Kürzung von Arbeitsplätzen in einem mittelständischen Unternehmen. Was jedoch dem ebenfalls relativ blassen Protagonisten widerfährt, löste in mir in erster Linie Gefühlswogen der Genugtuung aus. In diesem Sinne ist es auch nicht weiter schlimm, dass man sich als Lesende kaum mit dem egozentrischen Adrian Ehrwald zu identifizieren vermag, sondern stattdessen die Rolle unbeteiligter Beobachter einnimmt.

Bei der wiederum sehr langen titelgebenden Erzählung «Creszentia» (10) handelt es sich zweifelsfrei um einen Höhepunkt des Bandes. In der Form einer Reihe von Briefen an seine Verlobte erfahren wir, was der Hilfskoch Johannes Zirnhauser im Herbst 1891 als Angestellter auf dem Schloss eines Barons am Rande des Donaumooses erlebte. Der Autor bemühte sich an dieser Stelle sichtlich um einen veralteten Sprachstil, was er über weite Strecken auch auf authentische Weise vermittelt. Auch, wenn der spontane Wechsel des Barons zwischen depressiver Trauer und Enthusiasmus mich etwas vor den Kopf stieß, so kam ich doch nicht umhin, mit ihm und den Geschehnissen auf seinem Schloss mitzufiebern.

Als typische Schauergeschichte, die mehrere kanonische Elemente miteinander vereint, bildet «Andreasnacht» (11) den Abschluss von Creszentia. Wie Alexander Lorenz Golling in seinem Vorwort selbst anmerkt, finden wir in «Andreasnacht» ein einsames Landhotel mitten auf der Schwäbischen Alb, eine beeindruckende und geschichtsträchtige Steinformation in einer mystifizierten Umgebung und eine regionale Sage. Dabei hat die Handlung allerdings wenig mit der volkstümlichen Losnacht zu tun. Obgleich die Geschichte einen etwas zusammengewürfelten Eindruck macht, bildet sie doch einen schaurigen Abschluss des Geschichtenbandes.

Schauerliteratur wie sie im Buche steht

Buchcover: "Creszentia" von Alexander Lorenz Golling

Alexander Lorenz Gollings Schreibstil zeichnet eine Distanziertheit aus, welche die Lesenden stets in die Rolle der unbeteiligten Zuschauenden versetzt. Wenn es mitunter auch schwer fällt, sich mit den durchweg stereotypischen Männerfiguren mittleren Alters zu identifizieren, so ist dies in Creszentias Kurzgeschichten kein großartiger Nachteil. Denn der nüchterne, zumeist personale Erzählstil baut zugleich eine gewisse Vertrautheit zu seinen heimlichen Voyeuren auf, die diese hautnah mit den ungeheuerlichen Schicksalen der Protagonisten konfrontiert.

Creszentia bietet eine Reihe schauriger Kurzgeschichten, wie sie im Lehrbuche stehen. Die Analogien und stilistischen Schulterschlüsse mit den großen Klassikern des Genres treten immer wieder deutlich hervor. Dabei ist es dem Autor jedoch gelungen, seinen Erzählungen eine individuelle und unverkennbare Note zu verleihen. Daneben punktet Creszentia ganz klar durch den Heimatbonus. Zum Großteil im Raum Neuburg an der Donau bis Augsburg angesiedelt, genieße ich es als Lesende, meine Heimat in den Geschichten wiederzuerkennen.

PS: Die Geschichten in Creszentia eignen sich ganz hervorragend dazu, um sie einander in düsteren Herbst- und Winternächten gegenseitig vorzulesen…

Kurz & Bündig

PositivNegativ
SchreibstilReminiszenz an die alten Meister der Schauerliteratur ★Vereinzelte stilistische Ungereimtheiten ☆
SpannungImmer wieder von neuem aufbauend ★
CharaktereIndividuelle Charakterzüge ★Stereotypisch & durchweg männlich ☆
SettingDüster & heimatverbunden ★
HandlungHäufig auf alten/regionalen Legenden beruhend ★Mitunter recht flach ☆

Bewertung: ★ ★ ★ ★ ☆

Mein Exemplar von Creszentia habe ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks erhalten. Ich bedanke mich herzlich beim Autor Alexander Lorenz Golling für die Zusendung des Rezensionsexemplars.


Neueste Beiträge

[Aktion] Top Ten Thursday | Die K-Kompanie

Logo: Top Ten Thursday

Beim Top Ten Thursday von Aleshanee (Weltenwanderer) geht es darum, jeden Donnerstag eine Liste aus zehn Titeln zu einem bestimmten, vorgegebenen Thema zusammenzustellen.

Die heutige Aufgabe lautet

10 Bücher von Autor*innen,
deren Name mit einem K anfängt

Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich kurz davor stand, die Vorgabe des (Nach-)Namens mit «K» auf den Vornamen auszuweiten… Aber dann habe ich doch noch die Kurve gekriegt und bin auf die Anzahl zehn gekommen! Obwohl wir erst seit Kurzem bei der Aktion mitmachen, werden sich heute dafür leider schon ein paar Titel wiederholen.

Top Ten

1) Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling

Beginnen möchte ich diese Liste mit einem absoluten All-Time-Favourite. Marc-Uwe Kling nimmt in seinen dreibändigen Känguru-Chroniken nicht nur sämtliche gesellschaftliche Themen auf’s Korn, sondern schafft es – nicht zuletzt mit seiner stimmgewaltigen Art des Vortragens –, diese Komik in den gleichsam lustigen wie packenden Abenteuern seines eigenen fiktiven Alter Egos und des Kängurus zu kulminieren. Neben der allgegenwärtigen Gesellschaftssatire finden sich in den Büchern außerdem allerlei humorvolle Anspielungen auf die Populärkultur, wobei insbesondere der dritte Band Die Känguru-Offenbarung in seinem gesamten Aufbau die klassische Heldenreise aus der High-Fantasy imitiert, was zu unzähligen ultrakomischen Momenten führt – nicht nur für Fans von Herr der Ringe oder Star Wars.

"Die Känguru-Chroniken", "Das Känguru-Manifest" und "Die Känguru-Offenbarung" von Marc-Uwe Kling

2) QualityLand von Marc-Uwe Kling

Normalerweise achte ich darauf, dass jede*r Autor*in in einer Top-Ten-Liste nur ein Mal vertreten ist. Aber mit QualityLand hat der Kleinkünstler Marc-Uwe Kling eine zweite Romanreihe geschaffen, die in ihrer komischen Genialität kaum zu übertreffen ist. Bei den bisher zwei Teilen – wobei das Ende von QualityLand 2.0 ganz klar auf einen dritten Band abzielt – handelt es sich um eine Science-Fiction, in der sich alles um intelligente Maschinen und künstliche Intelligenzen im Allgemeinen dreht. Die humoristischen Momente ergeben sich dabei allerdings in erster Linie aus den Analogien und Anspielungen auf unsere Gegenwart, die in diesem Zukunftsentwurf konsequent und durchaus plausibel weitergedacht wird.

Meine Rezension zum erst im Oktober diesen Jahres erschienenen QualityLand 2.0 findet ihr hier.

"QualityLand" in der dunklen und hellen Ausgabe sowie "QualityLand 2.0" von Mar-Uwe Kling

3) La Maîtresse de Guerre von Gabriel Katz

Mit La Maîtresse de Guerre möchte ich euch einen Fantasyroman vorstellen, der mich gefesselt hat wie lange zuvor keiner mehr. Leider ist der Titel des französischen Autors Gabriel Katz meines Wissens noch nicht ins Deutsche übersetzt worden, was mehr als schade ist. Aus diesem Grund richtet sich diese Empfehlung leider nur an Leute, die der Sprache mächtig sind und gerne Mal ein Buch auf Französisch lesen. Obgleich Magie nur ganz am Rande eine Rolle spielt, handelt es sich bei La Maîtresse de Guerre um eine überaus komplexe High-Fantasy-Geschichte um die junge Kaelyn nordischen Ursprungs, die mit allen Mitteln darum kämpft, in die Fußstapfen ihres Vaters zu steigen und als Kriegsherrin ausgebildet zu werden. Die Chance dazu bekommt sie ausgerechnet, als sie als einfache Soldatin von einem verfeindeten Kriegsherren auf dem Schlachtfeld gefangen genommen wird. Denn dieses Unglück eröffnet ihr den langen und steinigen Weg von der Sklaverei bis in die Oberschicht des Sultanats von Azman…

Cover-Ausschnitt "La Maîtresse de Guerre" von Gabriel Katz

4) Rosehill von Susanna Kearsley

Susanna Kearsleys Rosehill wird oft in die Kategorie Highland-Romance gesteckt, was ich allerdings als deutlich unzureichend empfinde. Natürlich, wie sollte es bei diesem Setting auf einem alten schottischen Anwesen auch anders sein, spielt eine Liebesgeschichte zwischen der Protagonistin und zwei Männern – einer davon ist natürlich ein Schotte 😉 – eine gewisse Rolle, aber eigentlich geht es in Rosehill um viel mehr. Die Protagonistin Verity kann ihr Glück kaum fassen, als sie die Chance bekommt, im schottischen Rosehill nach der letzten Ruhestätte der legendären Neunten Legion zu forschen. Doch die beste Spur der Archäologen ist ein neunjähriger Junge, der von sich behauptet, Geister wahrnehmen zu können! Die Autorin hat diesen Roman nicht nur akribisch recherchiert, sondern meistert auch den Balanceakt, übernatürliche Elemente glaubhaft in einem realistischen und ernsthaften Kontext zu verankern.

Cover-Auschnitt "Rosehill" von Susanna Kearsley

5) Ruhm. Ein Roman in neun Geschichten von Daniel Kehlmann

Mit Ruhm hat Daniel Kehlmann einen Roman geschaffen, der das hält, was er im Untertitel verspricht: Ein Roman in neun Geschichten. Alle dieser einzelnen Geschichten, die man kaum «Kapitel» nennen kann, sind lose, aber gleichzeitig gewissermaßen unzertrennbar miteinander verknüpft, wobei dieser Knotenpunkt zumeist eine, mitunter lediglich erwähnte, Figur ist. Dabei handelt es sich bei Ruhm allerdings nicht nur um die Geschichten von neun Personen, deren Leben in einem gewissen Zusammenhang zueinander stehen. Nein, in Ruhm findet eine ausgeprägte metaleptische Struktur Anwendung, welche die einzelnen Geschichten ineinander verschachtelt und so ein komplexes System verschiedener Erzählebenen generiert.

Cover-Auschnitt "Ruhm" von Daniel Kehlmann

6) Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling

Wer kennt es nicht, Disney’s Dschungelbuch? Tatsächlich aber basiert die beliebte Disneyverfilmung auf einem britischen Klassiker von Rudyard Kipling aus dem Jahr 1894. Das Dschungelbuch kann eher als Kurzgeschichtenband beschrieben werden und umfasst insgesamt sieben Erzählungen, von denen die ersten drei von dem berühmten Findelkind Mowgli handeln, der von der Wölfin Raksha aufgezogen wird. Die restlichen Geschichten drehen sich jeweils um unterschiedliche Tiere des Dschungels, die nur noch im kontextutellen Sinne mit den Mowgli-Geschichten in Zusammenhang stehen.

Cover-Auschnitt "The Jungle Book" von Rudyard Kipling

7) Pirates of the Caribbean von Rob Kidd

Rob Kidd ist das Pseudonym verschiedener Autor*innen, die im Auftrag Disneys die Vorgeschichte zur Blockbuster-Reihe Pirates of the Caribbean, zu Deutsch Fluch der Karibik, verfassten. Die Pirates of the Caribbean-Romane umfassen 13 Bücher unter dem Titel Jack Sparrow, die von den Abenteuern des jugendlichen Jack Sparrow erzählen, und vier Werke der Reihe Legends of the Brethren Court, die von dem jungen Piratenkapitän Jack Sparrow handeln und ungefähr 13 Jahre vor den Geschehnissen des ersten Films The Curse of the Black Pearl angesiedelt sind.

Die Cover der Reihen "Pirates of the Caribbean: Jack Sparrow" und "Pirates of the Caribbean: Legends of the Brethren Court" von Rob Kidd.

8) Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling

Der deutsche Entertainer Hape Kerkeling ist in erster Linie als Komiker und Moderator sowie aufgrund seiner Kunstfiguren bekannt, allen voran der rasende Reporter Horst Schlämmer. Mit Ich bin dann mal weg – Meine Reise auf dem Jakobsweg trat er 2006 schließlich auch unter die Autoren. In seinem Reisebericht schildert er seine Erlebnisse auf der berühmten Pilgerreise nach Santiago de Compostela, die er im Jahr 2001 unternahm. Dabei setzt er sich mit den körperlichen und psychischen Herausforderungen auseinander, die jene Pilgerreise mit sich bringt, und berichtet in einem lockeren Ton von den Begegnungen und Erfahrungen, die er dort machen durfte.

Cover-Auschnitt "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling

9) Roman eines Schicksallosen von Imre Kertész

Zu den autobiographischen Texten gesellt sich außerdem der Roman eines Schicksallosen des ungarischen Holocaust-Überlebenden Imre Kertész. In seinem Roman schildert der Literaturnobelpreisträger die Erlebnisse des 15-jährigen György, der in die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald deportiert wurde. Dabei erfahren wir als Lesende hautnah den brutalen Lageralltag und die Eindrücke jener Gefangenen aus der Perspektive eines Jugendlichen. Die Erzählung ist auf eine kindliche Weise unschuldig, aber authentisch. Durch die Fiktionalisierung erreicht der Roman eines Schicksallosen allerdings eine ungeschönte Eindrücklichkeit, die Auschwitz jeglicher Mystifizierung entreißt.

Cover-Ausschnitt "Roman eines Schicksallosen" von Imre Kertész

10) A Guide to Gender von Sam Killermann

A Guide to Gender – The Social Justice Advocate’s Handbook sticht aus dieser Liste heraus, denn hierbei handelt es sich mitnichten um einen Roman oder einen sonstigen fiktionalen Text. Stattdessen erleben wir als Lesende eine humorvolle und kunterbunte Reise in die Welt der Geschlechter und der gesellschaftlichen Konzepte von Geschlecht und sexueller Orientierung im Kontext der sozialen Gerechtigkeit. Sam Killermann selbst ist US-amerikanischer Comedian, Aktivist und Künstler, der unter anderem durch seinen Entwurf eines universalen, alle Geschlechter einschließenden Toilettensymbols bekannt wurde, das sich inzwischen auf der ganzen Welt verbreitet hat. Das sympathische Büchlein A Guide to Gender gibt es inzwischen in einer zweiten und überarbeiteten Auflage.

E-Book-Cover "A Guide to Gender" von Sam Killermann

Ich bedanke mich für die tolle Inspiration!

PS: Alle unsere Beiträge zum Top Ten Thursday findet Ihr hier.


Neueste Beiträge

[Kapitel I] Alles wie es scheint

Klappentext & Content Notice

Fortsetzungsgeschichte, Krimi, Science-Fiction

Deutschland, im Jahr 2084. Die Kriminalkommissarinnen Alex Saciem und Maya Untersberger untersuchen den Fall einer Kindesentführung. Zunächst scheint die Sache eindeutig und der Täter schnell ausfindig gemacht. Doch ist wirklich alles so, wie es scheint?

[CN: Kindesentführung, Misshandlung]

  1. Ein Morgenmuffel kommt selten allein
  2. Lass die Technik ihren Job tun
  3. Von Menschen und Maskottchen
  4. Von Angesicht zu Angesicht
  5. Alles wie es scheint?

I-1 Ein Morgenmuffel kommt selten allein

«Ziel erreicht in 500 Metern.»

«Na endlich», murmelte Alex zwischen zusammengebissenen Zähnen, während sie noch mit beiden Händen damit beschäftigt war, ihre rote Mähne zu bändigen. Sie war so auf ihr Spiegelbild fixiert gewesen, dass sie kaum auf die Strecke geachtet hatte. Aber das war bei den selbstfahrenden Autos heutzutage auch kaum mehr nötig.

«PIMU: Suche Parkplatz im Umkreis von 20 Metern», wies sie das Gefährt an.

«Verstanden. Initiiere Suche nach geeignetem Parkplatz in einem Radius von 20 Metern.»

Alex verzog die Mundwinkel zu einer Grimasse. Dass das Ding jedes Wort wiederholen musste, wie so ein elektronischer Papagei, war ihr schon von Anfang an auf die Nerven gegangen. Andererseits war es im Straßenverkehr natürlich der Fahrsicherheit geschuldet, durch die akribische Bestätigung jedes Befehls die reibungslose Kommunikation zwischen Mensch und Maschine sicherzustellen. PIMU, das war das Akronym für Personal Intelligent Mobility Unit. Wer etwas auf sich gab und außerdem bereit war, genug Geld dafür auf den Tisch zu legen, besaß eines. Bei dem Gedanken musste Alex schmunzeln. «Geld auf den Tisch legen», das war schon wieder so eine antiquierte Redewendung, bei der man sich kaum mehr vorstellen konnte, woher sie wohl stammen mochte. Dabei war es eigentlich noch gar nicht so lange her. Vor nur etwa 70 Jahren hat man bei Transaktionen tatsächlich noch richtige Münzen und Geldscheine ausgetauscht. Wie viele Keime dabei ebenfalls die Seiten wechselten, wollte sich die junge Frau gar nicht erst vorstellen.

«Ziel erreicht. Ich wünsche dir einen angenehmen Aufenthalt.» Das leise Surren der Technik verstummte und die Displays schalteten sich selbstständig ab.

«Danke vielmals», entgegnete Alex der künstlich generierten Stimme, während sie den Knopf zum Öffnen der Seitentür betätigte. Eine PIMU war die bei Weitem angenehmste Art der Fortbewegung innerhalb der Stadt. Allerdings konnte sich nur eine sehr überschaubare Anzahl an Menschen eine leisten. Natürlich abgesehen von den Angestellten in systemkritischen Berufen. So stand jeder Kommissarin und jedem Kommissar der Kriminalkommission eine persönliche PIMU zur Verfügung, man konnte sogar die bevorzugte Farbe wählen. Alex liebte ihren Job allein dafür.

Etwas verloren stand sie nun mitten in einem mittelständischen Wohngebiet. Das Haus direkt vor ihr musste die Adresse des Tatortes sein, doch von ihrer Kollegin Maya fehlte jede Spur. Gerade wollte sich die junge Kriminalkommissarin wieder in ihr Fahrzeug setzen, um die Wartezeit angenehmer zu gestalten, als ein glänzend schwarzer Oldtimer mit quietschenden Reifen um die Ecke schoss. Durch die leicht getönten Scheiben konnte Alex die Fahrerin des Audi e-tron, Baujahr 2020, dabei beobachten, wie sie hektisch, aber routiniert am Lenkrad kurbelte, um den antiquierten Wagen manuell hinter Alex’ PIMU zu parken. Auch nach drei Jahren Dienstzeit an der Seite der Kriminalhauptkommissarin Maya Untersberger war sie noch immer fasziniert von der seltsamen Vorliebe ihrer Vorgesetzten. Sogar an der Autotür musste man noch an einem mechanischen Griff ziehen, um aussteigen zu können.

«Guten Morgen, Maya!», warf Alex der groß gewachsenen, Ende 30-jährigen Frau entgegen, die gerade aus dem Auto kletterte.

«Morgen», brummelte diese und warf sich eine abgetragene, schwarze Lederjacke über, unter der sie ihre Dienstwaffe vor oberflächlichen Blicken verbergen konnte. «Tut mir leid für die Verspätung. Ich wollte eigentlich pünktlich losfahren, aber die Solarzelle auf dem Wagen hat sich schon wieder gelöst gehabt…» Maya wartete keine Antwort ab, sondern fuhr mit einem Kopfnicken in Richtung des Mehrfamilienhauses vor ihnen fort: «Da wären wir also. Einbruch, Kindesentführung, aller Wahrscheinlichkeit nach heute Nacht. Die Mutter alarmierte heute Morgen gegen halb sechs die Polizei. Bist du soweit? Dann lass’ uns das doch einmal ansehen.» Mit diesen Worten marschierte sie an ihrer jungen Kollegin vorbei und auf die Haustür zu.

[Rezension] “Betäubter Wille” von Anna Lena Diel

Titel:Betäubter Wille
Autorin:Anna Lena Diel
Veröffentlichung:September 2020
Verlag:Nova MD (Selfpublishing)

Klappentext | Betäubter Wille

Der erste Fall für Arthur Morgenroth

In einer Kieler Wohnung wird die Leiche eines jungen Neurowissenschaftlers aufgefunden. An der Wand prangt das blutrote Symbol von Liberty of Mind, einer gewaltbereiten Gruppierung, die sich offen gegen das exzessive und mittlerweile in allen Bevölkerungsschichten alltägliche Gehirndoping ausspricht.

Obwohl Kriminalkommissar Arthur Morgenroth gerade erst in den Dienst zurückgekehrt ist, nimmt er die Ermittlungen auf. Schon bald wird dieser Fall für ihn nicht nur zu einer beruflichen, sondern auch zu einer persönlichen Bewährungsprobe.

Science-Fiction-Krimi oder Gesellschaftsportrait?

Es ist der Abend des 19. Novembers 2029. Ein junger Wissenschaftler wird in seiner Kieler Wohnung grausam ermordet. Die emotionsgeladene Tat zeugt von immenser Wut, weist aber zugleich eine berechnende und kaltblütige Handschrift auf. Nachdem auch noch Aufnahmen vom Tatort in den sozialen Netzwerken veröffentlicht werden, ermitteln die Kriminalkommissare Charlotte Drey und Arthur Morgenroth unter dem erdrückenden und urteilenden Blick der Öffentlichkeit. Obwohl es verschiedene Hinweise gibt, steht die Polizei zunächst vor einem Rätsel.

Abwechselnd aus den Blickwinkeln des Ermittlerduos bestehend aus Charlotte und Arthur, außerdem Irma Nessaus, der Mutter des Opfers, sowie dessen Lebensgefährtin Josefine Krist handelt Anna Lena Diels Betäubter Wille von den Untersuchungen rund um den schrecklichen Mord an dem Neurowissenschaftler Benjamin Nessau, der ganz Kiel in Atem hält. Wir lernen die Gedanken- und Gefühlswelt dieser vier Charaktere kennen, ihre Reflexionen über das Opfer und über die Tat – und über ihr eigenes Leben. Während die Ermittelnden Tage wie Nächte durcharbeiten, um Indizien zu sammeln und tatverdächtige sowie angehörige Personen zu verhören, scheinen Letztere nicht nur an einer raschen Aufklärung des Verbrechens interessiert, sondern in erster Linie von den Konsequenzen des brutalen Mordes für ihre eigene Zukunft eingenommen.

Denn bei Betäubter Wille handelt es sich um weit mehr als nur einen klassischen Polizeikriminalroman. Die Erzählung spielt in exakt neun Jahren, nämlich zwischen dem 19. und dem 23. November 2029. In dieser nahen Zukunft finden sich die Lesenden schnell zurecht, denn auf den ersten Blick eröffnen sich kaum Unterschiede zu unserer heutigen Gesellschaft in Deutschland. Doch der Schein trügt. Ganz im Sinne einer gewissenhaften Science-Fiction beruft sich Betäubter Wille auf aktuell relevante Forschungen und gesellschaftliche Entwicklungen, um diese auf durchaus überzeugende Weise in die nahe Zukunft zu extrapolieren.

Neben einigen technischen Spielereien, die unter anderem maßgeblichen Einfluss auf die Verbrechensaufklärung und die letztendliche Entlarvung der Tat nehmen, zeichnet die Gesellschaft von Betäubter Wille ein allumfassender Leistungsdruck aus. Nein, ein regelrechter Leistungszwang! Denn wer sich hier nicht mit sogenannten «Neuroenhancern» vollpumpt, um jegliche Impulse und Affekte zu kontrollieren, Müdigkeitssymptome zu unterdrücken, die Konzentrationsfähigkeit zu steigern, körperliche Schmerzen zu vergessen oder die eigene Stimmung aufzuhellen – eine Verstimmung, die länger als einen Tag andauert, gilt bereits als Depression –, und wer sich gar erlaubt, mehr als zwei Wochen über den Verlust eines nahestehenden Menschen zu trauern… ja, die*derjenige wird nicht nur von ihren*seinen Mitmenschen mit Verachtung gestraft, sondern muss unmittelbar um die eigene Jobsicherheit bangen. Weigert sich nämlich jemand, die eigene Leistung bequem mit den unzähligen bunten Pillen ins Übermenschliche zu steigern, dann schiebt diese Person ihre Arbeit eigentlich nur auf ihr Umfeld ab. Ein solch «unsoziales» Verhalten darf keinesfalls toleriert werden. Zumindest laut der Logik dieser Gesellschaft.

Tatsächlich aber ist diese Vision der nahezu grenzenlosen menschlichen Leistungssteigerung in Betäubter Wille näher an unserer Realität angesiedelt, als man auf den ersten Blick vermuten mag. Denn insbesondere im universitären Umfeld ist es bereits heute gang und gäbe, etwa das ADHS-Medikament Ritalin zu missbrauchen, um das immense Lernpensum bewältigen zu können. Auch psychoaktive Drogen, wie LSD, die berühmten «Magic Mushrooms» oder Heroin, häufig in sogenannten Microdosen, sollen die eigene Laune sowie die Konzentrationsfähigkeit steigern und so zu effizienterem Arbeiten verhelfen – und werden auf nahezu jedem Universitätscampus gehandelt. Vor dem Hintergrund, dass die Tendenz des gesellschaftsfähigen «Neuroenhancing» bereits heute unter der Oberfläche der gesellschaftlichen Akzeptanz brodelt, schlichtweg, weil die betroffenen Personen keine andere Möglichkeit sehen, um dem immensen, heutzutage herrschenden Leistungsdruck standzuhalten, ist es nur noch ein sehr kleiner Schritt, um den Weltentwurf von Betäubter Wille als gegeben zu akzeptieren.

Sicherlich wirkt sich der alltägliche Drogenmissbrauch des Romans auf langfristiger Sicht negativ auf den menschlichen Organismus aus, denn ein kontinuierliches Überschreiten der eigenen körperlichen Grenzen kann natürlicherweise nicht folgenlos bleiben. Dies ist den Figuren offenbar auch bewusst, wird aber geflissentlich ignoriert, was ich als sehr authentisch empfinde. Wirft man einen Blick auf die unzähligen Medikamente, Nahrungsmittel und Praktiken, die heutzutage und teilweise schon seit Jahrzehnten als massiv gesundheitsschädlich entlarvt sind, aber noch immer ungeniert konsumiert und praktiziert werden, dann ist der Umgang mit den Drogen in Betäubter Wille nur eine konsequente Fortführung unserer derzeitigen Gesellschaftspolitik. Man denke etwa an die Antibabypille, den übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Fleischproduktion oder die Verwendung von Zucker und Geschmacksverstärkern in nahezu jedem Nahrungsmittel…

Ein charakterstarkes Meisterwerk

Cover: "Betäubter Wille" von Anna Lena Diel

Die Lektüre von Anna Lena Diels hervorragend recherchiertem Kriminalroman bietet eine genüssliche Mischung aus authentischen Charakteren, einem flüssigen und mitreißenden Schreibstil, vielschichtigen Perspektiven auf gesellschaftliche Entwicklungen, einen spannenden Handlungsbogen – und schließlich eine ordentliche Portion Lyrik. Denn für Arthur Morgenroth, der sich dem unterschwelligen Zwang des «Neuroenhancing» zu entziehen versucht, stellen Gedichte, insbesondere jene Rainer Maria Rilkes, einen ganz persönlichen, haltgebenden Anker im reißenden Fluss des Leistungsdrucks dar. Sie rufen ihm die Schönheit und Stärke der richtigen Worte im richtigen Augenblick in den Sinn, die Faszination der (menschlichen) Natur und des Lebens. Sie eröffnen ihm Wahrnehmungen, Gefühle, Intuitionen, die ihm unter dem Einfluss der Drogen schlichtweg entzogen werden. Die zahlreichen Gedichtfragmente, die beiläufig, aber immer passend, in den Erzähltext eingeflochten sind, lockern die Handlung auf und verleihen ihr zugleich eine ungeahnte Tiefe.

Dabei gelingt es der Autorin in Betäubter Wille, mit nur vier Protagonisten und einer Handvoll Nebencharaktere eine umfassende Diversität und Mehrdimensionalität der Gesellschaft abzubilden. Während sich der zentrale Protagonist Arthur gegen jenen Druck stemmt, bauen etwa seine Kollegin Charlotte und Josefine, die Lebensgefährtin des Opfers, ihre Karrieren und ihr ganzes Leben auf jenen Substanzen auf. Die vollständige Impulskontrolle ist die gesellschaftliche Norm in Betäubter Wille, nicht einmal die Mutter eines grausam ermordeten jungen Mannes darf ihre Trauer in der Öffentlichkeit durchblicken lassen. Doch was macht diese Praktik mit den Menschen? Hinter den emotionslosen, immerwährend funktionierenden Fassaden verbergen sich irgendwo noch Individuen. Eine Auswahl davon lernen wir in Betäubter Wille kennen – und schließlich verstehen.

Betäubter Wille ist ein überaus gelungener Science-Fiction-Krimi, der seine Lesenden von der ersten bis zur letzen Seite zu fesseln vermag. Der flüssige und detailreiche Schreibstil lässt seine Rezipierenden so schnell nicht mehr los, wobei Anna Lena Diel einen Balanceakt zwischen dem stetigen, spannungsaufbauenden Handlungsfortschritt und der individuellen Gedankenwelt der Figuren, ihren Ängsten, Sorgen und ihrer Vergangenheit meistert. Ich habe Betäubter Wille im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen. Die Mischung aus naheliegender und doch erschreckender Zukunftsvision und klassischem Polizeikrimi macht den Roman zu einem absoluten Meisterwerk, das mich in vollem Umfang begeistert.

In diesem Sinne muss ich eine uneingeschränkte Leseempfehlung aussprechen, denn lange hat mich ein Roman nicht mehr so gepackt.

Einen kleinen Einblick in das intensive erste Kapitel des Romans bietet euch diese Hörprobe – hört doch mal rein!