Buchstapel: Truly Devious Series by Maureen Johnson

[Rezension] “Truly Devious” von Maureen Johnson

Titel der Reihe:Truly Devious / dt: Ellingham Academy
Buchtitel:#1 Truly Devious (2018) / dt: Was geschah mit Alice?
#2 The Vanishing Stair (2019) / dt: Die geheimnisvolle Treppe
#3 The Hand on the Wall (2020)
Autorin:Maureen Johnson
Verlag:Harper Collins / dt: Loewe

A Truly Devious Blurb | Klappentext

Buchcover: Truly Devious by Maureen Johnson
Truly Devious by Maureen Johnson

Ellingham Academy is a famous private school in Vermont for the brightest thinkers, inventors, and artists.

It was founded by Albert Ellingham, an early twentieth century tycoon, who wanted to make a wonderful place full of riddles, twisting pathways, and gardens. «A place,» he said, «where learning is a game.»

Shortly after the school opened, his wife and daughter were kidnapped. The only real clue was a mocking riddle listing methods of murder, signed with the frightening pseudonym «Truly, Devious.» It became one of the great unsolved crimes of American history.

True-crime aficionado Stevie Bell is set to begin her first year at Ellingham Academy, and she has an ambitious plan: She will solve this cold case. That is, she will solve the case when she gets a grip on her demanding new school life and her housemates: the inventor, the novelist, the actor, the artist, and the jokester. But something strange is happening. Truly Devious makes a surprise return, and death revisits Ellingham Academy. The past has crawled out of its grave. Someone has gotten away with murder.


Willkommen in der Ellingham Academy!

Versteckt in den Bergen Vermonts ist die Privatschule der ideale Ort für die begabtesten Schüler des Landes – Bestsellerautoren, YouTube-Stars, Künstler, Erfinder. Doch das Internat umgibt eine tragische Geschichte. Vor mehr als 80 Jahren wurden Frau und Tochter des Schulgründers entführt. Genau deshalb wird Stevie Bell an der Akademie aufgenommen: Sie soll die bisher ungeklärte Ellingham-Affäre lösen.

Und schon bald erhält sie eine mysteriöse Botschaft, die einen Mord ankündigt. Als ein Schüler kurz darauf tot aufgefunden wird, ist Stevie überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen diesem Todesfall und den Verbrechen aus der Vergangenheit gibt.

Stevie Bell ist großer Fan von Sherlock Holmes und Agatha Christie. Aber noch viel mehr begeistern sie reale Kriminalfälle – wie die bisher ungelöste Ellingham-Affäre. Als Schülerin der exklusiven Ellingham Academy kann sie endlich selbst am Schauplatz der legendären Entführung ermitteln. Doch als ein Mitschüler ums Leben kommt, muss Stevie nicht nur das Verbrechen von damals aufklären.

The Vanishing Opinion | Meinung

Buchcover: The Vanishing Stair by Maureen Johnson
The Vanishing Stair by Maureen Johnson

Erst Anfang dieses Jahres, 2020, erschien der dritte Teil von Maureen Johnsons Truly Devious–Reihe unter dem Titel The Hand on the Wall. Zu meinem eigenen Glück war es auch erst kurze Zeit später, dass ich durch die Lektüreempfehlung einer Freundin überhaupt auf diese faszinierende Reihe gestoßen bin. Denn: Wer Spannung sucht, wird hier mehr als fündig. Ich habe alle drei Bände in nur wenigen Tagen verschlungen und war so gebannt, dass ich sie kaum aus der Hand legen konnte.

Truly Devious ist ein Mystery-Krimi, der sich stilistisch ganz klar an den Klassikern à la Arthur Conan Doyle und Agatha Christie orientiert. Dieses Motiv durchzieht die Erzählung auch inhaltlich als dicker, roter Faden, denn die überaus sympathische Protagonistin Stevie ist nicht nur selbst ein True Crime-Nerd, sondern eifert auch ganz offen den legendären Detektiven Sherlock Holmes und Hercule Poirot nach. Und natürlich dreht sich alles um einen legendären und ungelösten Kriminalfall, ein Mysterium, das in den 30er und 40er Jahren das ganze Land in Atem hielt – und dem sich Stevie mit ganzem Herzen verschrieben hat.

Doch um überhaupt erst in die Nähe des historischen Tatortes zu gelangen, einer legendären Eliteschule tief in den Bergen Vermonts, muss sich die High School-Schülerin erst einmal für ebenjene Schule qualifizieren. Glücklicherweise ist es das Paradigma der Ellingham Academy, nicht nur die besten, sondern die herausragendsten Jugendlichen aufzunehmen, völlig unabhängig von deren finanziellem, gesellschaftlichem oder kulturellem Hintergrund.

Spätestens hier offenbart sich, wie umfassend die Diversität in der Romanreihe vertreten ist. Die bunte Truppe an Schüler*innen, die sich inmitten dieses idyllischen Schauplatzes versammelt, setzt sich einerseits aus allen erdenklichen Charakterzügen und Eigenschaften zusammen, und zwar von der absoluten Intro- bis zur exzessiven Extroversion, von Technik-Genies bis zu angehenden Schauspielenden und vom IT-Geek (David) über die schräge Künstlerin (Ellie) bis zum eigenbrötlerischen Autor (Nate), der allerdings unter einer Schreibblockade leidet. Nein, auch sämtliche Behinderungen, geschlechtliche Identitäten und sexuelle Orientierungen sowie kulturelle Hintergründe haben ihren Platz in Ellingham. So hadert nicht nur Stevie selbst immer wieder mit ihrem weiblichen Körper, auch ihre beste Freundin Janelle ist Schwarz, lesbisch und in einer Beziehung mit der nichtbinären Vi. An dieser Stelle könnte man jede einzelne Figur beleuchten. Dabei herrscht unter allen Bewohnenden der Schule ein herzliches und inklusives Miteinander, denn alle verbindet eine aufopferungsvolle Hingabe zu einer bestimmten Sache, die sie über alle Maßen fasziniert – sei dies Literatur, Technik, IT, Kunst, Journalismus, Medizin oder, oder, oder…

Das Stichwort der Diversität umfasst allerdings noch mehr: Auch das neurodiverse Spektrum wird in Truly Devious abgedeckt. Stevie selbst leidet etwa unter heftigen Panikattacken, die sie bisweilen sogar mit starken Medikamenten behandeln muss, ist außerdem sehr introvertiert und hat eine offensichtliche Sozialphobie. In der Ellingham Academy gelingt es ihr mit Janelle, Vi, Ellie, Nate und David zum ersten Mal in ihrem Leben, richtige, tiefe Freundschaften aufzubauen. Dies liegt nicht zuletzt an der grundlegenden Fähigkeit aller, jedweden Eigenschaften mit einer normalisierenden Natürlichkeit zu begegnen. Denn jede*r Einzelne hat seine eigenen Ecken und Kanten, Probleme, Ängste, Wünsche, Hintergründe und Geheimnisse, was jedem Charakter in der Erzählung eine unbeschreibliche Komplexität verleiht.

Mit dem malerischen Setting und der bunten Besetzung ist der Rahmen abgesteckt, in dem sich das eigentliche Mysterium verbirgt: Das Verschwinden der Tochter des Schulgründers Albert Ellingham und die Morde an dessen Ehefrau sowie der Schülerin Dolores Epstein im Jahr 1936. Ein mittelmäßig gereimter Drohbrief, den Ellingham kurz vor der Tat erhielt, ist mit dem mysteriösen Pseudonym «Truly, Devious» unterschrieben, der gesamte Fall bis heute ungeklärt. Ganz im Stil eines klassischen Mysterykrimis beginnt das große Rätselraten und Kombinieren aus der Perspektive der selbsternannten Detektivin Stevie, die zwischen ihrer Rolle als Schülerin und ihrer Obsession des Truly Devious-Falles hin und her jongliert. Eine Mischung, die so authentisch wirkt, dass die Identifikation mit der jungen Protagonistin auf ganzer Linie spielend leicht fällt.

Was der Romanreihe jedoch eine Extraportion Würze verleiht – und sie ganz nebenbei von den klassischen Gattungsvertretern abhebt –, ist der zweite, historische Erzählstrang. Die chronologisch voranschreitenden Abenteuer und Erlebnisse Stevies in der Gegenwart werden nämlich immer wieder von Erzählschnipseln unterbrochen, in denen die Lesenden die Geschehnisse von der Gründung der Ellingham Academy bis zum Tod Albert Ellinghams aus den unterschiedlichen Blickwinkeln der beteiligten Personen miterleben. So macht sich nicht nur die kombinationsstarke Protagonistin Stevie daran, das Mysterium nach und nach aufzuklären, sondern auch die Lesenden werden durch die lückenhaften Überlieferungen dazu angeregt, die Hinweise zusammenzufügen und das Rätsel zu lösen. Die Spannung spitzt sich dabei zu, als neben dem historischen Verbrechen auch Stevies eigene Realität von einer mysteriösen Reinkarnation Truly Devious’ auf den Kopf gestellt wird.

The Hand on the Conclusion | Fazit

Buchcover: The Hand on the Wall by Maureen Johnson
The Hand on the Wall by Maureen Johnson

Selten habe ich ein derartig ausgearbeitetes, fesselndes Mysterium erlebt, das gleichzeitig durch ein malerisches Setting und eine komplexe, vielschichtige Handlung mit überzeugenden Protagonisten besticht. Trotz der ansehnlichen Dicke der Bücher – insgesamt über 1.000 Seiten – gibt es absolut keine «Durststrecken» – ganz im Gegenteil! Die Kombination aus dem historischem mit dem aktuellem Mysterium und der konkreten Bedrohung durch einen nicht weniger mysteriösen Verbrecher, welche die bunte Truppe der ganz gewöhnlichen und zugleich absolut einzigartigen Charaktere in Atem hält, schafft eine unbeschreiblich dichte und packende Atmosphäre.

Truly Devious hat mich insgesamt völlig geplättet – auf die positive Art. Ich konnte die Romane kaum aus der Hand legen und habe nicht nur mitgeknobelt, sondern beim Lesen wortwörtlich mitgefiebert. Und das Beste: Der vierte Band der Reihe wird unter dem Titel The Box in the Woods voraussichtlich im April 2021 erscheinen!

Damit kann ich guten Gewissens eine absolute Leseempfehlung für Maureen Johnsons Truly Devious-Reihe aussprechen.

Kurz & Bündig

PositivNegativ
SchreibstilPackend ★
Spannung100% ★
CharaktereÜberzeugend ★
SettingMalerisch ★
HandlungKomplex ★

Bewertung: ★ ★ ★ ★ ★


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